Blindenfahrrad und Geheimschrift

15. Februar 2012 | 00:10 Uhr | von Sven Kamin

WEDEL. Per Erik hat es ganz allein durchgezogen: Als seine zwei Forschungskollegen absprangen, hat der Zehnjährige sein Blindenfahrrad einfach im Alleingang gebaut. Aus Lego. Und mit Ultraschallsensor, um Hindernissen auszuweichen. Und mit Farbsensor, um die Spur zu halten.

Es waren Projekte wie dieses, mit denen Per Erik und seine Mitschüler aus dem naturwissenschaftlichen Profil der Wedeler Gebrüder-Humboldt-Schule (GHS), die Juroren des "Jugend forscht"-Preises überzeugten. Jetzt erhielt GHS-Leiter Antonius Soest die Nachricht, dass seine Schule stellvertretend für die Fünft- und Sechstklässler den mit 1000 Euro dotierten Jugend-forscht-Schulpreis 2012 für die Region Schleswig-Holstein Süd erhält. Das Geld will er für neue Geräte und Unterrichtsmaterialien verwenden. Die Jury lobte in ihrer Laudation "das besondere Engagement zur Förderung naturwissenschaftlich, mathematisch und technisch interessierter Schülerinnen und Schüler".


Jury lobt gute Arbeitsbedingungen

Zudem würdigte die Wettbewerbsleitung, dass die Schule mit dem naturwissenschaftlichen Profil gute Rahmenbedingungen für Schüler in diesem Bereich schaffe. Auch, dass die GHS als Gemeinschaftsschule einer sehr gemischten Schülerschaft das Tor zur Wissenschaft eröffne, wurde ausdrücklich gelobt. Soest dankte am Dienstag allen Schülern für das hervorragende Abschneiden: "Die Schule ist stolz auf Euch."

Er lobte den Forschergeist, den die Jungen und Mädchen im vergangenen halben Jahr an den Tag gelegt hatten. Im Rahmen ihres Profilschwerpunktes hatten Sie unter der Anleitung von Lehrern wie Tobias Langer Zeit, ihre Versuchsreihen zu starten. Das Wichtigste dabei: Die Schüler mussten sich ihre Forschungsprojekte und Fragestellungen selbst ausdenken.

Und gerade hierbei legten die Zehn- bis Zwölfjährigen großen Erfindungsreichtum an den Tag: Während sich Tatjana und Celina Gedanken über die beste Tinte für Geheimschrift machten, gingen Greta und Hanna der Frage nach, unter welchen Aufbewahrungsumständen sich Äpfel am längsten halten. Daraufhin folgte in zum Teil monatelanger Arbeit die Umsetzung.


Erstaunliche Ergebnisse der Experimente

Die Schüler starteten Versuchsreihen, dokumentierten Ergebnisse und zogen Schlussfolgerungen aus ihren Experimenten. "So konnten die Klassen ganz direkt erleben, wie Forschung funktioniert", freute sich Langer, der mit seinen Schülern zum dritten Mal an dem Wettbewerb teilgenommen hatte.

Die Ergebnisse der Forschungsprojekte sind zum Teil sehr erstaunlich: So fanden Jasper und Jonas heraus, dass Menschen sich unter dem Einfluss von blauer Farbe besser konzentrieren können. Sie hatten Versuchspersonen Memory-Spiele aufdecken lassen, immer mit einer andersfarbig getönten Brille. Hannah, Jule und Merle entdeckten, dass Urzeitkrebse in 600 Millilitern Wasser länger leben als in 200 Millilitern, wie von den Vertreibern angegeben. Celine, Martje und Annika stellten fest, dass sich Erbsenpflanzen kräftiger entwickeln, wenn ein Apfel neben der Pflanze liegt. Und Felix, Tammo und Moritz bauten eine Stromleitung aus Wasser, mussten aber feststellen, dass die Leitungseigenschaften im Vergleich zu Kupfer deutlich schlechter sind.

Im Juni wird der Preis in Köln übergeben, doch bis dahin werden die jungen Wedeler Forscher bestimmt schon neue Experimente gestartet haben.